Der Franz-Stephan-Preis
Eine Initiative der
Österreichischen Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts

In Erinnerung an die Verdienste von Franz I. Stephan um Wissenschaft, Kunst und Kultur vergibt die Österreichische Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums alle zwei Jahre diesen Preis, und zwar für hervorragende Diplomarbeiten und/oder Dissertationen, die an österreichischen Universitäten erarbeitet wurden. Zur Einreichung eingeladen sind Studienabgänger (ungeachtet ihrer Staatsbürgerschaft) aller geisteswissenschaftlichen Disziplinen, wie z.B. Geschichte, Kunstgeschichte, Volkskunde, Musikwissenschaft, Germanistik, Romanistik, Anglistik, Slawistik, Philosophie, Pädagogik, wobei der Schwerpunkt der Arbeit im 18. Jahrhundert angesiedelt sein muss.

Die Preisträger werden mit einem Geldpreis des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet:
Preis für die Dissertation (1.250.- Euro)
Preis für die Diplomarbeit (750.- Euro)
Die Preisträger werden auf Kosten der Gesellschaft zur feierlichen Verleihung nach Wien eingeladen, wobei sie in diesem Rahmen die Möglichkeit haben, ihre Arbeit vorzustellen.



Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger




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Das Achtzehnte Jahrhundert und Österreich

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Franz I. Stephan, anonymes Gemälde, Privatsammlung, Photo: Camillo Kodric, © Dr. Renate Zedinger, Wien

Franz I. Stephan
(* 8. Dezember 1708 in Schloss Lunéville bei Nancy; † 18. August 1765 in Innsbruck)
Herzog von Lothringen ab 1729, Großherzog der Toskana ab 1737
Mitregent in den Habsburgischen Erblanden ab 1740
Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ab 1745


Als souveräner Herzog, reformorientierter Großherzog der Toskana und Römisch-deutscher Kaiser war Franz Stephan von Lothringen neben seinen politischen Anforderungen allen wissenschaftlichen Innovationen gegenüber aufgeschlossen. Wie schon am Hof des Vaters in Lunéville, wo im Physikalischen Kabinett experimentiert wurde und die Studenten der Akademie praxisorientierten Unterricht erhielten, unterstützte er großzügig die Ausbildung junger Talente, auch bei wertvollen Auslandsaufenthalten.
Franz Stephan von Lothringen förderte die Weiterbildung des Architekten Jean-Nicolas Jadot in Paris, bevor er ihm wichtige Projekte in Florenz und Wien anvertraute. Auch der Gartenarchitekt Louis-Ferdinand de Nesle, der den Künstlernamen „Gervais“ verwendete, konnte bei dem anerkannten Gärtner Anton Zinner in Wien, bei den Arbeiten in der Parkanlage des Belvedere, seine Kenntnisse vertiefen; ausgestattet mit den neuen Erfahrungen vollendete Gervais effektvoll die Gartenanlangen von Schloß Lunéville und setzte das Gelernte später in der Toskana, als Verantwortlicher für alle großherzoglichen Gartenanlagen in beeindruckender Weise um.
Auch Claude-Léopold Genneté, der sich im Selbststudium mathematische Grundkenntnisse angeeignet hatte, erhielt eine fundierte Ausbildung und bereiste im Auftrag seines Herrn halb Europa, immer auf der Suche nach neuen Erfindungen und Entwicklungen, die in akribischen Aufzeichnungen nach Wien geschickt und im Palais Wallnerstrasse ausprobiert wurden.

Das Mäzenatentum Franz Stephans von Lothringen beschränkte sich nicht nur auf die Ausbildung von in der Folge kompetenten Mitarbeitern oder auf die umfangreichen Sammlungen, die schon bald das Raumangebot der Wiener Hofburg sprengten und in seinem 1740 gekauften Palais in der Wiener Wallnerstrasse untergebracht wurden. Das Naturhistorische Museum Wien führt seinen Ursprung auf das kaiserliche „Naturalienkabinett“ zurück und hält die Erinnerung an den kaiserlichen Sammler wach: das Gemälde „Franz Stephan von Lothringen im Kreis der Direktoren der kaiserlichen Sammlungen“ beherrscht den prächtigen Stiegenaufgang.
Das naturwissenschaftliche Interesse Franz Stephans von Lothringen führte zur Ausrichtung von wichtigen Forschungsreisen und Expeditionen, finanziert aus seinen privaten Kassen. Im Auftrag des Kaisers reisten die Wissenschaftler auf den Ötscherberg, in die Höhlen im Herzogtum Krain, in die Karpaten und in die Bergbaugebiete Ungarns. Sensationell war jedoch die Forschungsreise in die Karibik, die Nikolaus Jacquin in den Jahren 1754 bis 1759 durchführte und die dem jungen Gelehrten internationales Ansehen verschaffte.

Die von Franz Stephan von Lothringen unterstützten Forschungen und Expeditionen, die von ihm geförderten Einrichtungen wie z.B. der Neubau der Universität (heute Akademie der Wissenschaften), die Menagerie von Schönbrunn, der älteste Tiergarten Europas, oder die Gründung der Bergbauakademie in Schemnitz (heute Banskà Štianvnica, Slowakei, damals Königreich Ungarn), die nach seinem Besuch im Juni 1751 in die Wege geleitet wurde, unterstreichen die Bedeutung dieses Herrschers auch als Förderer von Wissenschaft und Forschung.
Sein Gespür für kompetente Persönlichkeiten hatte weit reichende Folgen, wie das Beispiel des Arztes aus Leyden, Gérard van Swieten zeigt. Er holte ihn 1745 nach Wien und förderte damit einen Gelehrten, der den Weg für die Begründung und das Ansehen der 1. Wiener Medizinischen Schule bereitete.
Ermöglicht wurden die wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten des Kaisers und seiner, vor allem lothringischen Mitarbeiter durch geschickte Finanztransaktionen und den Aufbau eines großen Wirtschaftsimperiums mit zahlreichen florierenden Betrieben. Das innerhalb eines Vierteljahrhunderts erarbeitete Vermögen sollte den Kindern und vor allem den Töchtern finanzielle Unabhängigkeit garantieren, was den Sohn und Nachfolger Joseph II. jedoch nicht daran hinderte, einen Teil des Geldes für die Sanierung der Staatskassen zu verwenden.

Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kunst vergibt die Österreichische Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts alle zwei Jahre den „Franz Stephan-Preis“ für herausragende Dissertationen und/oder Diplomarbeiten zu Themen des 18. Jahrhunderts. Damit soll jungen Talenten entsprechende Anerkennung und finanzielle Unterstützung widerfahren, und das Andenken an einen Herrscher gewahrt werden, dem gerade dies ein besonderes Anliegen war.
(© Dr. Renate Zedinger, Wien)