‘Die Ära Stosch. Die Marine im Spannungsfeld der deutschen Politik 1872 bis 1883’: Titelinformation
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Dirk Sieg
Die Ära Stosch
Die Marine im Spannungsfeld der deutschen Politik 1872 bis 1883
Kleine Schriftenreihe zur Militär- und Marinegeschichte Band 11 (ISSN 1617-3074)
2005. 568 S., 17 x 24 cm, 1 graph. Abb., 1 geograph. Kart., 1 Reprod. v. Dok.
Kartonierte Ausgabe: ISBN 978-3-89911-039-5, € 71,00
Ausgabe in Bibliotheksleinen: ISBN 978-3-89911-054-8, € 89,00
Lieferbar



Albrecht von Stosch war von 1872 bis 1883 der erste Chef der Admiralität der nach der Gründung des Deutschen Reiches aufzubauenden ersten gesamtdeutschen Marine. Sein "Flottengründungsplan" zielte - in Übereinstimmung mit Parlament, Regierung und Admiralität - auf den Aufbau einer Marine "zweiten Ranges": Schutz der heimischen Küstengewässer im Kriegsfall, und in Friedenszeiten Schutz der deutschen Interessen im Ausland.

Voraussetzung hierfür war eine leistungsfähige heimische Schiffbau-, Rüstungs- und Marinezulieferindustrie, deren Aufbau v. Stosch vorantrieb: Es wurden spezielle Planungsgruppen in der Admiralität eingerichtet, die bei der Qualitätssicherung sowie beim Know-how-Transfer mit den Schiffbauingenieuren der Werftindustrie und der Handelsmarine zusammenarbeiteten. Dennoch blieb die ökonomische Basis des Flottenaufbaus schmal: Die Marine war als Ergänzung zum Heer konzipiert, und ihr Etat musste vom Reichstag jährlich neu bewilligt werden.

Beim Auslandseinsatz kam es in den ersten Jahren von v. Stoschs Amtszeit zu erheblichen Differenzen zwischen der Marineführung und Bismarck, der den Bestand des Reiches nicht durch eine aggressive Außenpolitik gefährden wollte. Die daraus resultierende Einengung der Handlungsfreiheit ihrer Kommandanten vor Ort wollte die Admiralität nicht akzeptieren. Erst Mitte der 1870er Jahre konnte Bismarck durchsetzen, dass durch präzisierte Order an die Schiffsführer in der Zusammenarbeit mit den Auslandsvertretungen des Deutschen Reiches deren Primat beachtet wurde. Dies war auch v. Stoschs Einsicht geschuldet, dass die kontinentale Stellung des Reiches erst gefestigt werden musste - mit der Flotte stellte er dem Reichskanzler hierfür ein wirksames, nachdrücklich genutztes In-strument zur Verfügung.

Dirk Siegs Studie der bisher in wissenschaftlichen Veröffentlichungen nur gestreiften "Ära Stosch" zeichnet die Auseinandersetzungen zwischen Bismarck und v. Stosch anhand verschiedener außenpolitischer Bereiche und zahlreicher Auslandseinsätze der Marine nach. Sie vermittelt so einen Einblick in das außenpolitische Handeln Bismarcks wie auch in das Denken der Marineführung. Dadurch trägt sie zum Verständnis der politischen Grundlagen des sich entwickelnden Kaiserreiches wie auch zu dessen Fortentwicklung unter Wilhelm II. bei.



Der Inhalt
1 Einleitung [Vorbemerkung; Die Ära Stosch in der historischen Forschung; Konzeption, Grundlagen und Zielsetzung der Arbeit; Quellen- und Archivlage; Albrecht von Stosch - Eine einführende Skizze seines Lebensweges] · 2 Die Kaiserliche Marine - "dem Reiche unmittelbar unterstellt" [Die Berufung Stoschs zum "Chef der Kaiserlichen Admiralität"; Die Position der Admiralität und ihres Chefs in der Reichsverfassung; Stoschs Marinekonzeption; Der Chef der Admiralität, die Marine und der Reichskanzler (Die Admiralität als Arbeitgeber, Stoschs Marinepolitik im Reichstag, Das Hochverratsverfahren gegen Stosch, Die "Kanzlerkrise" von 1877, Die "Katastrophe von Folkestone", Der Rücktritt Stoschs - das Ende einer Ära)] · 3 Die Marineführung und die Außenpolitik Bismarcks [Die Marine als Mittel zur Intervention im Ausland; Die Gründung des deutschen Kaiserreiches: Außenpolitische Voraussetzungen und Konsequenzen; Grundlagen für den Einsatz der Kaiserlichen Marine im Ausland; Ausgewählte Einsätze der Marine im Ausland (Erste Aktionen der Kaiserlichen Marine im Ausland, Bismarck, die Marine und die Krisen um Spanien 1873-1875, Der Konsul-Mord in Saloniki - Die Marine als Druckmittel der Diplomaten bei der Forderung nach "Genugtuung", Die Entsendung deutscher Kriegsschiffe nach Ägypten 1882)] · 4 Handelsverträge, Überseestationen und koloniale Tendenzen in der Marineführung (ausgewählte Aspekte) [Vorbemerkung; Koloniale Gedanken in der Marineführung vor 1872; Kolonien und Flottenstützpunkte als Kriegsentschädigung 1870/71; Handelsschutz, Handelsförderung und der "Flottengründungsplan" (1872/73); Der Begriff "Flottenstation", Stationsgebiet und Kolonie; Handelsschutz und Flottenstationen im "ostasiatischen Stationsgebiet" (Die Suche nach einem handelspolitischen und militärischen "Schlüssel", Das "Marine-Etablissement" in Amoy, Die "ANNA-Affäre" 1875/76, "Die Unterdrückung der Seeräuberei in den Chinesischen Gewässern"); Koloniale Gedanken in der Kaiserlichen Marine (Koloniale Gedanken in der Marine Mitte der 1870er Jahre, Koloniale Gedanken in der Kaiserlichen Marine zu Beginn der 1880er Jahre); Das Engagement der Kaiserlichen Marine in der Südsee (Der Freundschaftsvertrag mit Tonga, Der Freundschaftsvertrag mit Samoa, Errichtung von weiteren "Kohlenstationen" im Pazifik); Der Abschluss des deutsch-koreanischen Handelsvertrages; Die Konzeption einer "Oberseebehörde"; Die Entwicklung des "Hydrographischen Bureaus" der "Kaiserlichen Admiralität" und der Seewarte; Die Admiralität und Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung (Der "Flottengründungsplan" und die Förderung der Industrie, Die Admiralität als "Schrittmacher der Schiffbauindustrie", Die Panzerplatten- und Geschützherstellung als Beispiel für Industrieförderung, Die Marine als Werber für die heimische Industrie)] · 5 Zusammenfassende Schlussbetrachtung · 6 Anhang [Abkürzungsverzeichnis; Bibliographie; Anlagen und Dokumente; Auszug aus den Auslandsaktivitäten der Kaiserlichen Marine in der "Ära Stosch" 1872-1883]





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