‘Revolution des Wissens?. Europa und seine Schulen im Zeitalter der Aufklärung 1750-1825. Ein Handbuch zur europäischen Schulgeschichte’: Titelinformation
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| - | Wenn etwa allmählich, aber erfolgreich die für das Ancien Régime tragende Beziehung "Korporation/soziale Gruppe - Staat" durch die die moderne Gesellschaft prägende Beziehung "Individuum - Staat" ersetzt wurde, dann trägt die allmähliche Verlagerung von Bildung und Erziehung von den sozialen Gruppen, Korporationen, Familien usw. auf die Schulen daran einen entscheidenden Anteil. |
| -  | Im Bewusstsein der Masse der Bevölkerung hatte es bis zum Ende des Ancien Régime kaum einen Rückhalt für das Militärische gegeben. Die Schaffung und Vermittlung einer durchdachten und durchorganisierten, auf dem Wissensstand der Zeit basierenden militärischen Ausbildung in speziellen Militärschulen in Verbindung mit einer sozioprofessionellen Neubewertung zunächst des Offiziers- und später des Soldatenstatus veränderte jedoch dieses Bewusstsein, sei es in Spanien, sei es in Frankreich, sei es in verschiedenen deutschen Ländern. |
| -  | Die Wertvorstellungen des Bürgers, des Utilitarismus, des Patriotismus, des Nationalismus etc. wurden außerhalb der Schule entwickelt, die Schulen wurden aber für diese Werte instrumentalisiert. Zugleich wurden damit die für das Ancien Régime so entscheidenden regionalen oder lokalen Bezugshorizonte zugunsten nationaler Bezugshorizonte aufgelöst. |
| -  | Die Volksschulen waren ein Hort der religiös-moralischen Bildung und Erziehung. Dies blieb bis weit ins 19. Jh. hinein so und bremste die Revolutionierung des in der Schule vermittelten Wissens, aber auch die "Vereinnahmung der Gesellschaft durch den Staat" und die flächendeckende Verwirklichung politischer Ideen, die nicht alle immer nur auf das Wohl der Menschen zielten. |
| -  | Für die Aufklärer waren die Schulen ein wichtiges und gegebenes "Experimentierfeld" bei der Umsetzung ihrer "Reißbrettentwürfe" zu Staat und Gesellschaft. Wenn ihre Reformbestrebungen und Experimente leicht unter das Stigma des Scheiterns gestellt wurden und werden, so verkennt dies, dass sie vielfach sozialproduktive Konflikte auslösten, deren Ergebnisse erst im 19. Jh. an der gelungenen Veränderung von Staat und Gesellschaft abzulesen sind. |
| -  | Der Wandel von der semi-oralen zur Schriftkultur als allgemeinverbindlichem "Seinsmodus" verläuft entscheidend über die Veränderung der Schule in der Aufklärungszeit. |