‘Zeitgeschichte im dynamischen Mehrebenensystem. Zwischen Regionalisierung, Nationalstaat, Europäisierung, internationaler Arena und Globalisierung’: Titelinformation


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Michael Gehler
Zeitgeschichte im dynamischen Mehrebenensystem
Zwischen Regionalisierung, Nationalstaat, Europäisierung, internationaler Arena und Globalisierung
Herausforderungen Band 12 (ISSN 0942-8291)
2001. 246 S., 23 x 15 cm, 1 graph. Abb.
Kartonierte Ausgabe: ISBN 978-3-930083-85-5, € 30,75
Ausgabe in Bibliotheksleinen: ISBN 978-3-930083-94-7, € 48,75
Vergriffen, Neuauflage in Vorbereitung



Seit 1989/91 ist die Welt nicht mehr so übersichtlich und einfach deutbar - sie wurde um vieles reicher, verwirrender, komplexer, unüberschaubarer und schwieriger erklärbar. Seither besteht für die Historiographie die Gefahr, in völliger Sprachlosigkeit unterzugehen, weshalb zu überlegen ist, was sie den Menschen heute noch zu sagen hat.

Michael Gehler widmet sich in diesem Band daher Fragestellungen einer Zeitgeschichte und Zeitgeschichtsschreibung im wechselseitigen Verhältnis von Region, Nationalstaat, internationalen Beziehungen, europäischer Dimension und Globalisierung, wobei Möglichkeiten und Grenzen einer Historiographie angesprochen werden, die mehrere räumliche Ebenen einzubeziehen versucht. Anhand dieses Konzepts eines dynamischen Mehrebenesystems analysiert er das Wechselspiel verschiedener Geschichtsräume an konkreten Beispielen und gewinnt so neue Antworten auf historiographische Fragestellungen: zur Begriffsbestimmung von Zeitgeschichte und der nationalen oder internationalen Orientierung der Zeitgeschichtsschreibung. Dabei legt er einen Schwerpunkt auf österreichische Aufgabenstellungen.

In der Summe machen Michael Gehlers Studien die Mängel aktueller Zeitgeschichtsforschung deutlich: ihre in der Regel nationale Ausrichtung, die an einer Distanz zum Forschungsgegenstand sowie an einer kritischer Selbstreflexion hindert. Der Komplexität zeitgeschichtlicher Prozesse wird sie nicht gerecht. Dagegen schafft ihre Betrachtung als dynamische Mehrebenensysteme ein Bewusstsein für globale Prozesse und eröffnet neue Fragestellungen und deren Relevanz.

Der Band, der ein Plädoyer für eine interdependente Zeitgeschichtsschreibung darstellt, die regionale, nationale, internationale, europäische und globale Ebenen einbezieht, wendet sich v. a. an Forschende und Lehrende wie auch fortgeschrittene Studierende.



Der Inhalt
1. Vorbemerkungen zu Ambivalenz und Besonderheit der Zeitgeschichte · 2. Zeitgeschichte und Regionalgeschichte [2.1 Entwicklungslabor und Experimentierfeld zur Verfeinerung der Kategorien von Max Weber; 2.2 Der Vergleich zur Verdeutlichung des Singulären. Periodisierungsfragen und Regionalgeschichte als Testfall für das Übergeordnete; 2.3 Definitions- und Differenzierungsgebote für Begriffe - Indienstnahme für das "Europa der Regionen" oder "Europäische Regionen" als Alternative?] · 3. Der "kurze Schatten" der österreichischen Zeithistoriographie [3.1 Vom Sinn, Nutzen und von vertanen Chancen einer modernen Nationalgeschichte und zur Erweiterung der Kategorien Max Webers; 3.2 Drei österreichische Zeitgeschichten; 3.3 Profile und Aufgaben der österreichischen Zeitgeschichte] · 4. Grundlagen und Aufgaben internationaler und europäischer Zeitgeschichtsschreibung [4.1 Kontinuität und Wandel in den internationalen Beziehungen seit 1945 und das Vorurteil von der "Diplomatiegeschichte"; 4.2 Ohne ERP keine EWG: Ein Plädoyer für die Erweiterung der kerneuropäischen Perspektive; 4.3 Von der "Sünde" zur "Tugend": Für Flexibilität in der Integrationsgeschichtsschreibung der "Klein-", "Groß-" und "Gesamteuropäer"] · 5. Globalisierung und Zeitgeschichtsschreibung [5.1 Was ist eigentlich Globalisierung und wie ist sie zu kategorisieren?; 5.2 Zur fraglichen Obsoleszenz des Nationalstaates im Zeichen der Globalisierung; 5.3 Die Massenmedialisierung und die Beschleunigung der Zeit als Herausforderungen für die (Zeit-)Geschichtsschreibung; 5.4 Neue Quellen, Einseitigkeiten und fehlende "trouble makers"] · 6. Beispiele für Zeitgeschichte im Mehrebenensystem [6.1 European Recovery Program: Massenkultureller Imperialismus im Zeichen von "stars and stripes" 1948-1952/53; 6.2 Christdemokratische Parteien im 20. Jahrhundert; 6.3 "Euroregionen" im Zeichen von Binnenmarkt und Globalisierung am Beispiel von "Tirol-Südtirol- Trentino"; 6.4 Firmengeschichten und Unternehmenskooperationen im Spiegel von globalem Wandel, Managerbiographien, Börsengurus und new economy; 6.5 Exterritorialisierter und denationalisierter Rechtsextremismus und Populismus: Vergleichende internationale und globale Perspektiven; 6.6 Globalisierter Protest gegen Großmachtgelüste, transnationale Konzerne und das Multilaterale Abkommen über Investitionen (MAI)] · 7. Schlussfolgerungen [7.1 Selbstkritik, Streitkultur und Unabhängigkeit als Voraussetzungen für eine innovative Zeitgeschichtsschreibung; 7.2 Globalisierung als Chance für (Zeit-)Geschichtsschreibung im dynamischen Mehrebenensystem; 7.3 Verschärfte Sachzwänge: Die universitäre Zeitgeschichte in der Krise; 7.4 Umgehung postmoderner Provokationen und moderne Historiographie schließen einander nicht aus; 7.5 Als wesentlich erachtbare Fragen; 7.6 Schlussgedanke] · 8. Literaturauswahl · 9. Personenregister







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