‘Ich will meine Trauer nicht leugnen und nicht meine Hoffnung. Veränderungen kultureller Selbstwahrnehmungen von ostdeutschen und osteuropäischen Frauen nach 1989’: Titelinformation
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Helga Grubitzsch, Eva Kaufmann, Hannelore Scholz (Hg.)
"Ich will meine Trauer nicht leugnen und nicht meine Hoffnung"
Veränderungen kultureller Selbstwahrnehmungen von ostdeutschen und osteuropäischen Frauen nach 1989
Mit Beiträgen von Penka Angelowa, Brita Baume, Doris Böhlke, Marion Brandt, Anna Lisa Coch, Gerlinde Förster, Eva Kaufmann, Anne-Heike Maretzke, Heidrun Markert, Monika Melchert, Christina Niedermeier, Irina Nowikowa, Hannelore Scholz, Alla Solowjowa, Emilia Staischewa, Renate Ullrich, Kristin Wardetzky
1994. 150 S., 21 x 14,8 cm
Kartonierte Ausgabe: ISBN 978-3-924517-99-1, € 15,25
Lieferbar



Den Verlust der Alltagskultur der DDR-Frauen zeichnet dieses Buch nach. Die Umbrüche im kulturellen Leben in Ostdeutschland - und Osteuropa - haben die Position der Frauen in ihm besonders berührt: Sie wurden mit Anforderungen an Arbeit und Leben konfrontiert, an die sie nicht im Traume gedacht hatten. Aus der Aufbruchstimmung ist ein ernüchternder Lernprozess geworden, der durch die Spannung von Selbstvergewisserung, Abwehr und Anpassung charakterisiert ist. Alte Illusionen sind verflogen, neue kaum an ihre Stelle getreten. Nicht selten sind harte Brüche in den Biographien und Weltbildern zu verarbeiten. Dies reflektiert sich besonders in literarischen Texten, weil sich in ihnen der Veränderungsprozess in mehrfacher Brechung manifestiert. Ihrer Analyse ist die Mehrzahl der Beiträge gewidmet.

Ob nun Märchentexte, Frauenzeitschriften oder die Werke von Literatinnen (z. B. Christa Wolf, Helga Schubert, Monika Maron) untersucht, Gespräche mit ihnen, Theaterfrauen oder bildenden Künstlerinnen geführt wurden - immer drückt sich ein tiefgreifender Wandel der kulturellen Selbsterfahrung von Frauen aus, der durch die politisch-ökonomischen und soziokulturellen Umwälzungen bewirkt wurde. Dies betrifft alle Lebensbereiche der Frauen: Ihre ästhetische Wahrnehmung, die Medienlandschaft und ihren Sozialisationsprozess.

Durch die Einbeziehung osteuropäischer Frauen in die Analyse gelang es, Gemeinsamkeiten und Differenzen von Gesellschaftsstrukturen im Umbruch mit Blick auf die Frauen zu charakterisieren: Die Texte dokumentieren, wie unterschiedlich die ungleichzeitig und ungleichartig verlaufenden Veränderungsprozesse wahrgenommen werden.

Mit der Analyse des Umbruchs wird zugleich ein Stück Kulturgeschichte der kommunistischen Gesellschaften offenbar: In der Darstellung der Veränderungen scheinen Denken und Leben der Vergangenheit auf, wie sie im Westen bisher nicht zugänglich waren. Besonders nicht aus den osteuropäischen Ländern.

Die sechzehn Beiträge dieses Bandes sind auch persönliche Zeugnisse. Die Autorinnen haben sich offen zur Subjektivität bekannt, sie haben "Ich" gesagt, um den Unterschieden der nationalen Geschichte und Kultur, der politischen Biographien, der unterschiedlichen Generationserfahrungen und frauenpolitischen Positionen angemessen Raum zu geben. Das war, wie manche Texte zeigen, leichter gesagt als getan.

Mit dieser Konzeption ist den Herausgeberinnen und Autorinnen die Dokumentation der Folgen von "Verwestlichung" der Kultur im Osten Deutschlands und Europas auf den hier untrennbaren Ebenen des persönlichen Erlebens und der gesellschaftlichen Strukturen gelungen.



Die Beiträge

Veränderungen ästhetischer Wahrnehmung bei Schriftstellerinnen und Künstlerinnen
Renate Ullrich
"Ich will meine Trauer nicht leugnen und nicht meine Hoffnung". - Selbst-Behauptungen Ostberliner Theaterfrauen im ersten Jahr der deutschen Einheit

Gerlinde Förster
Begegnungen mit bildenden Künstlerinnen

Irina Nowikowa
Mutter-Bilder in Kurzgeschichten junger lettischer Autorinnen

Emilia Staischewa
Herausforderung an Sisyphus oder: Die bulgarische Dichterin Blaga Dimitrowa in der Wende zur Demokratie

Brita Baume
"Mein Thema war nie die DDR" (Hensel) - zur Literatur junger Autorinnen der DDR vor und nach 1989

Anna Lisa Coch
"Es muss doch möglich sein, ... zu schreiben, ohne etwas oder jemanden dabei zu verletzen." (Christa Wolf in "Sommerstück") Helga Schuberts Appell gegen die Scham, Deutsche zu sein

Marion Brandt
TURNVATER UNSER. Zur Sportthematik in ausgewählten literarischen Texten

Monika Melchert
Reue und Buße wird es nicht mehr geben ... Erinnerungsbilder von Kindheit in Texten von Beate Morgenstern und Rita Kuczynski

Hannelore Scholz
"O doch. Es geht um Zukunft, wissen Sie. Was bleibt. Was bleibt." (Christa Wolf). Zum Problem Angst und Macht in Texten von Monika Maron, Angela Krauß und Christa Wolf vor und nach 1989

Veränderungen in der Medienlandschaft
Eva Kaufmann
Schön, stark und mutig. Varianten weiblicher Zeitschriftenkultur: "Ypsilon" und "Zaunreiterin"

Doris Böhlke
Sprachliche Gleichstellung - (k)ein Problem für DDR-Frauenzeitschriften

Alla Solowjowa
Frauen in Lettland. Soziale Lage, Frauenforschung, -medien und -organisationen

Veränderungen im Sozialisationsprozess von Mädchen und Frauen
Christina Niedermeier, Anne-Heike Maretzke
Veränderungen in der sozialökonomischen und rechtlichen Stellung der Frau in den neuen Bundesländern

Heidrun Markert
Beruf: Diplom-Agrar-Ingenieurin - Perspektive: ungewiss

Penka Angelowa
Frauenbilder bilden Bilder. Betrachtungen zu sozial vorgebildeter Wirklichkeit der achtziger und Anfang der neunziger Jahre in Bulgarien

Kristin Wardetzky
Der Prinz mit dem eleganten Blick. Geschlechterstereotype in kindlichen Märchenphantasien





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