‘Das dargestellte Ich. Studien zu Selbstzeugnissen des späteren Mittelalters und der frühen Neuzeit’: Titelinformation
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Klaus Arnold, Sabine Schmolinsky, Urs Martin Zahnd (Hg.)
Das dargestellte Ich
Studien zu Selbstzeugnissen des späteren Mittelalters und der frühen Neuzeit
Mit Beiträgen von Klaus Arnold, Andreas Beriger, Kaspar von Greyerz, Gabriele Hofner-Kulenkamp, Andrea Kammeier-Nebel, Benigna von Krusenstjern, Walther Ludwig, Wolfgang Schmid, Sabine Schmolinsky, Gunter Schweikhart, Markus Späth, Harald Tersch, Urs Martin Zahnd
Selbstzeugnisse des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit Band 1 (ISSN 1439-3948)
1999. 300 S., 24 x 17 cm, 49 graph. Abb.
Fest gebundene Ausgabe: ISBN 978-3-930083-08-4, € 37,50
Vergriffen, keine Neuauflage




Zu einem neuen Schwerpunkt kulturwissenschaftlicher Forschung
ist die Untersuchung von Selbstzeugnissen geworden, Quellen schriftlicher und bildlicher Natur, in denen ein Ich über sein und vielleicht seiner Familie Leben, sein Umfeld, sein Denken, Fühlen und Meinen willentlich oder beiläufig Auskunft gibt. Das Quellenmaterial ist vielgestaltig: Es reicht von autobiographischen Aufzeichnungen und Notizen jeglicher Art und Länge über Briefe bis zu selbst verfassten oder veranlassten Inschriften und selbst gefertigten oder im Auftrag erstellten Bildnissen der eigenen Person. Die wissenschaftliche Bearbeitung dieses sehr heterogenen, Fächergrenzen übergreifenden Quellenbereiches bedarf notwendig des Dialoges der Disziplinen, in dem Forschungsperspektiven und Methoden transdisziplinär miteinander ins Gespräch gebracht und interdisziplinär an einzelnen Selbstzeugnissen erprobt werden können.

Geschichts-, Kunst- und Literaturwissenschaftler/innen
hatten in einem hierauf orientierten Arbeitsgespräch in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel grundlegende Forschungsprobleme, Projektdarstellungen und Einzelfallstudien zur Diskussion gestellt. Im Ergebnis wird die historische und die methodisch-interpretatorische Bandbreite des Begriffes Selbstzeugnisse deutlich: Quellen von der Spätantike an können berücksichtigt sein, und unterschiedlichste Quellentypen können mittels diverser, gegebenenfalls aus Einzeldisziplinen hervorgehender Fragestellungen analysiert werden.

Einen Abriss der gegenwärtigen Selbstzeugnisseforschung
legt der Band mithin vor: Wie sind, geographisch und zeitlich begrenzt, Selbstzeugnisse systematisch zu erfassen und aufzubereiten, um sie mentalitätsgeschichtlichen Fragestellungen zugänglich zu machen? Wie sehen solche Fragestellungen aus, und bei welchen Gruppen von Selbstzeugnissen sind sie wie anwendbar? Zu welchen Ergebnissen gelangt die Untersuchung eines Selbstzeugnissekorpus in einem sozial definierten Raum wie einer Stadt? Welche Formen der Selbstdarstellung begegnen uns in humanistischen und reformatorischen Kontexten, und wie verläuft die Entwicklung der bildlichen Selbstdarstellung?

Die Beiträge des Bandes
gehen diese im weitesten Sinne historisch-anthropologischen Probleme exemplarisch an. Sie zeigen, auf welchen methodischen Wegen die Interpretation von Selbstzeugnissen Erkenntnisse über historische Mentalitäten vermitteln kann - zugespitzt: über Individualität in ihren historischen Erscheinungsformen, wenn diese darüber hinaus in Gestalt einer Selbstdarstellung dargeboten sind. Die jüngst wiederbelebte Diskussion über Individualität in Mittelalter und früher Neuzeit wird aus der Erfassung und Untersuchung von Selbstzeugnissen neue Impulse beziehen.



Die Beiträge

Sabine Schmolinsky
Selbstzeugnisse im Mittelalter

Urs Martin Zahnd
Stadtchroniken und autobiographische Mitteilungen. Studien zur Selbstdarstellung spätmittelalterlicher Bürger

Andreas Beriger
Eine unglückliche Geschichte - die Autobiographie des Augustinerchorherrn Rutger Sycamber von Venray

Harald Tersch
Die schwermütige Betrachtung des Kometen - Politik und Emotion im Weißkunig

Andrea Kammeier-Nebel
Der Wandel des Totengedächtnisses in privaten Aufzeichnungen unter dem Einfluss der Reformation

Walther Ludwig
Die Sammlung der Epistolae ac Epigrammata des Ulmer Stadtarztes Wolfgang Reichart von 1534 als Dokument humanistischer Selbstdarstellung

Benigna von Krusenstjern
Buchhalter ihres Lebens. Über Selbstzeugnisse aus dem 17. Jahrhundert

Kaspar von Greyerz
Deutschschweizerische Selbstzeugnisse (1500-1800) als Quellen der Mentalitätsgeschichte. Bericht über ein Forschungsprojekt

Gunter Schweikhart
Vom Signaturbildnis zum autonomen Selbstporträt

Gabriele Hofner-Kulenkamp
Erweiterte Selbstbildnisse. Malerfamilien des 16. Jahrhunderts

Klaus Arnold
'Da ich het die gestalt' - Bildliche Selbstzeugnisse in Mittelalter und Renaissance

Wolfgang Schmid
Denkmäler auf Papier. Zu Dürers Kupferstichporträts der Jahre 1519-1526

Markus Späth
Auswahlbibliographie zum Stand der Selbstzeugnisseforschung





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